Chronik

Aus dem Vereinsleben des Tambourkorps
von Walter Dahmen und Manfred Langer

Gründung

Nach Beendigung seiner Dienstzeit im 70. Infanterieregiment von Saarbrücken, wo er von 1910 bis 1912 auch als Flötist im Spielmannszug der Wehrmacht tätig war, brachte Joseph Schmidt (Christians Josep) eine Flöte mit nach Hause, die in späterer Zeit in die Hände seiner Neffen von ,Schomisch’ und deren Freunde geriet.

Onkel Josep war gerne bereit, den Burschen zu zeigen, wie dieses Instrument gespielt wurde. Die Flöte wanderte von Mund zu Mund, die jungen Leute übten fleißig kleine Liedchen ein, und eines Tages traten sie an Joseph Schmidt heran mit der Bitte, ihnen das Flötenspiel systematisch beizubringen, da sie den Wunsch hegten, einen Spielmannszug zu gründen.

Nach reiflicher Überlegung willigte Joseph Schmidt ein, allerdings unter der Bedingung, daß sich Paul Weynand (Vöesch Pauels) seinerseits bereit erkläre, die Trommler auszubilden. Paul Weynand war in seiner Militärdienstzeit 1897-1899 Trommler gewesen im Tambourkorps des 65. Infanterieregiments zu Köln. Als nun auch er seine Zustimmung gab, wurde die Gründung eines Trommler- und Pfeifferkorps beschlossen. Man schrieb das Jahr 1929 im Februar.

Die Proben

An den langen Winterabenden des neuen Jahres setzte in den Probehäusern ein fleißiges Üben ein.

Die Trommler trafen sich regelmäßig mit Tambourmajor Paul Weynand im Hause ‚Tienen’, wo Johann Gentges wohnte, ein Gründungsmitglied. Während in der Küche die Tamboure mit zum Teil selbstgebastelten Trommelschlegeln auf den Sitzflächen der Stühle das Wirbeln übten, probten die Kollegen vom Musikverein in der Stube ihre neuen Weisen ein. An ‚Tiene’, einem Haus voll Musik, war an manchem Abend eine ganze Menge los.

Die Flötisten hatten ihr Probezimmer im Hause ihres Lehrmeisters Joseph Schmidt, wo sie als erstes Lockmarsch, Präsentiermarsch und den Torgauer Marsch einstudierten.

Ankauf von Instrumenten

Nun sollten in Mützenich die ersten Trommeln, Flöten und ein Tambourstab abgeholt werden. Es handelte sich hierbei zwar um Gebrauchtinstrumente, aber dennoch stellte sich die Frage, auf welche Weise man diese am besten und einfachsten über die Grenze bringen könne.

Das Problem wurde so gelöst, daß sich ein Teil der Spielleute, die Trommler, mit den Rädern aufmachten, über die Trierstraße durch den Truppenübungsplatz nach Mützenich fuhren, dort die Einkäufe tätigten, die Instrumente über den Krummenast bis zum Fuhrtsbach (nahe des ‚Halbmondes’) brachten, wo die anderen Korpsmitglieder und sogar der Musikverein die Käufer erwarteten, um nunmehr gemeinsam, in Reih und Glied, eine Musikmarschübung vortäuschend, “spielend” (in des Wortes doppeltem Sinn) und schmuggelnd durchs belgische Zoll an Jönkere zu spazieren.

Nach dieser Heldentat wuchs der Eifer beim Einüben der “neuen Stücke” (die Joseph Schmidt bei Franz Nießen in Nidrum beschaffte), um so mehr als die jungen Musiker nun endlich ein eigenes Instrument besaßen, wenngleich sie es auch aus der eigenen Tasche bezahlen mußten.

Als Vereins- und Probelokal diente in den ersten Jahren des Bestehens das Hotel Hansen (Inhaber + Bernhard Barth. Dahmen) und nach Abbruch des Sälchens im Jahre 1933 das Gasthaus Nießen-Weynand (das vor dem Krieg + Paul Nießen gehörte).

Gründer und Mitgründer

Die eigentlichen Gründer des Vereins sind Joseph Schmidt und Paul Weynand.

Als Mitgründer gelten die nun folgenden Spielleute, die dem Verein als erste Mitglieder beitraten oder noch im Gründungsjahr Vereinsanwärter waren:

FLÖTISTENTAMBOURE
+ Bartholomäus Gehlen+ Hubert Dahmen (Hansen)
+ Jakob Herbrand+ Johann Gentges
+ Heinrich Hermann+ Robert Herbrand
+ Conrad Nießen+ Bernhard Klinges
+ Hubert Thönnes+ Ferdinand Leyens
+ Karl Langer+ Josef Faymoville
+ Alois Mackels+ Adolf Mackels
+ Lorenz Noel+ Leo Mackels
+ Ernst Dahmen+ Sigfried Weynand
+ Paul Langer 

Dem ersten Vorstand gehörten an:

  • Joseph Schmidt als Präsident +
  • Paul Weynand als Tambourmajor +
  • Hubert Thönnes als Schriftführer +
  • Hubert Dahmen als Kassierer +

Die erste Uniform

Der Vorstand hatte sich 1 000 Franken geborgt, um jedem Spieler eine Mütze und ein Schulterabzeichen (Schwalbennest) kaufen zu können. Später ließ sich der Verein dann weiße Hosen anfertigen. Das weiße Hemd dazu hatte sich jeder selbst zu besorgen.

Erster Auftritt

Das Tambourkorps (so sein offizieller Name) trat auf dem Schützenfest 1929 zum erstenmal vor die Öffentlichkeit. Es brachte u.a. den Torgauer Marsch zu Gehör.

Bei dieser Gelegenheit stiftete und überreichte + Konrad Nießen, ein großer Gönner und Förderer in dieser Anfangszeit, dem Vereinsführer Paul Weynand einen neuen Tambourstab.

Zuwachs bis 1940

Bis zu Kriegsbeginn stießen noch folgende Spielleute hinzu: Richard Herbrand, Josef Brüls, Ernst Weynand, Conrad Nießen jr.

Ausfahrten per Fahrrad

Entfernte Ausfahrten wurden meistens mit dem Lastwagen des Hubert Thönnes unternommen.

Wenn aber das Tambourkorps der Einladung eines benachbarten Vereines Folge leisten wollte, so begab man sich entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad dorthin. Wer keines besaß, nahm Platz auf der Radstange eines Vereinskollegen und wurde auf diese Weise zum Bestimmungsort befördert.

Nicht selten landeten zwei so reisende Musikanten in weißer Uniform mit ihrem Fahrzeug in dem Straßenschmutz oder in einem nahen Bach, wenn sie zu nächtlicher Stunde das Heimatdorf im Walzerrhythmus ansteuerten und die Straße unter sich aus den Augen verloren…

Die Kriegsjahre

 

In den letzten Vorkriegsjahren sahen sich mehrere Spielleute veranlaßt, den Verein zu verlassen, weil dieser in den Augen der Behörden zu starke politische Tendenzen zeigte.

 

Ab 1939 erfolgte die allgemeine Mobilmachung. Die Mitglieder des Tambourkorps wurden bald eingezogen und das Vereinsleben erlahmte. Am 1. Mai 1941 trat das Tambourkorps zusammen mit dem Musikverein noch ein letztes Mal im Lager Elsenborn auf.

 

Wiederaufnahme der Vereinstätigkeiten

 

Nicht mehr als eine Handvoll Spieler waren es, die nach Kriegsende den Verein hätten weiterführen können.

 

Sieben Kameraden mußten in fremder Erde bleiben, zwei hatten Handverletzungen erlitten, die sie zur Aufgabe ihrer Tätigkeit im Verein zwangen, einige kehrten erst nach langer Gefangenschaft wieder heim, andere waren ausgewandert.

 

Ferner hatte der Krieg alle Dokumente, Aufzeichnungen und Instrumente verschwinden lassen.

 

Auf der Elsenborner Kirmes 1954 beschlossen Karl Langer, Adolf Mackels, Siefgried Weynand und Conrad Nießen (der mittlerweile Tambourmajor des Bütgenbacher Spielmannszuges war), sich für die Wiederbelebung der Vereinstätigkeit einzusetzen. Es fanden in der Folgezeit mehrmals Versammlungen statt, zu denen alle Interessenten eingeladen wurden, und schließlich konnten die ersten Probestunden abgehalten werden. Adolf Mackels und Siegfried Weynand lernten die neuen Tamboure an, die ähnlich ihren Vorgängern zunächst auf Tischplatten übten, da vorerst keine Trommeln zur Verfügung standen. Die Flötisten hingegen, die unter der Leitung von Karl Langer und Conrad Nießen probten, kauften sich gleich neue Instrumente.

 

In dieser Zeit des Neuaufbaus griff Nikolaus Nießen dem Verein finanziell kräftig unter die Arme, insbesondere bei der Anschaffung weiterer Instrumente und Uniformen.

 
Die neuen Anwärter

Es meldeten sich eine ganze Reihe Flötenspieler und Trommler (nachstehend ihre Namen) zu den Proben, aber nicht alle hielten durch bis zum ersten Auftritt der neuen Formation im Jahre 1955. Der Musikverein weihte damals seine neue Vereinsfahne ein.

Trommler:

  • Siegfried Weynand +
  • Hubert Langer
  • Alois Klein +
  • Heinz Halmes +
  • Mathias Halmes
  • Manfred Langer
  • Gottfried Heindrichs +

Flötenspieler:

  • Hermann Klein +
  • Alfons Klein +
  • Ernst Klein
  • Leo Groß +
  • Konrad Offermann
  • Nikolaus Heinen
  • Markus Heinen
  • Joseph Klinges +
  • Martin Faymonville +
  • Heinz Mackels
  • Peter Langer
  • Hubert Noel
  • Ewald Mackels
  • Horst Mackels

Den Vorstand bildeten:

  • Präsident: Karl Langer +
  • Tambourmajor: Conrad Nießen +
  • Schriftführer: Siegfried Weynand +
  • Kassierer: Alois Klein +
  • Ehrenpräsident: Paul Weynand +

Daten und Ereignisse

6.Nov.1955: Wiedereröffnungsfeier. Der Erlös aus dem Fest wurde bestimmt für die Anschaffung von neuen Instrumenten.

10.März 1957: Beitritt zum Internationalen Verband, dem Holländer, Deutsche und Belgier angehörten.

24. Mai 1959: Fest des 30jährigen Bestehens verbunden mit der Schellenbaumweihe.

15. Mai 1960: Beitritt zum Monschauer Verband, der heute Nordeifeler Verband heißt.

1. Mai 1970: Erste Einstufung durch den belgischen Musikverband ‘Födekam’, dem das Tambourkorps seit 1962 angehört.

31. Mai 1970: Schallplattenaufnahme des Marschs “Laridah”.

6. August 1972: 48. Verbandsfest des Monschauer Verbandes in Elsenborn. Hier hatten auch schon 1963 und 1967 die Verbandsfeste stattgefunden.

Kurz notiert

Das Tambourkorps ist bisher (1979) etwa 350 mal in der Öffentlichkeit aufgetreten. Es nahm an 60 Wettstreiten teil, bei denen es mit insgesamt 200 Solistenpreisen ausgezeichnet wurde. 60 weitere Vereinspreise und Pokale konnten bei Konzerten und Festzügen errungen werden. Sie zieren das Vereinslokal im Gasthaus Groß-Nießen.

Bei einem Wettbewerb 1932 in Kalterherberg meldete sich das Tambourkorps in der Sonderklasse B an, heimste am Ende aber ebenfalls sämtliche Preise der A-Klasse ein, da es einziger teilnehmender Verein beider Klassen war.

Das Tambourkorps organisierte bis zum Anfang der sechziger Jahre mehrere Theaterabende. Es wurden u.a. aufgeführt: Köhlerliesel – Hasso, der Rebell – die Ersatzbraut – das Beichtgeheimnis.

Nach dem Kriege probte der Verein im damaligen Kindergarten der Mädchenschule, der auch heute wieder der Proberaum ist. Zwischendurch fanden die Lernstunden in einem Raum der Turnhalle statt, dem jetzigen Aufenthaltsraum des Jugendheimes.

Der ehemalige Pfarrer Ludwig Lejoly stand dem Tambourkorps ganz und gar ablehnend gegenüber. Er unterließ es sogar, das Tambourkorps bei der Vorstellung der Elsenborner Ortsvereine in der Ostbelgischen Chronik (Band 4, 1957) zu erwähnen.

Früher wurden die Spieler in einem Tambourkorps nicht als Trommler und Pfeiffer bezeichnet, sondern als Tamboure und Hornisten. “Tambour” kommt aus dem Französischen, ist ursprünglich aber ein arabisches Wort.

Neben den Trommeln und Flöten kamen beim Vereinsspiel auch zeitweise Clairons, Pauken und Fanfaren zum Einsatz.

Die Fanfaren gewannen auf einem Wettstreit in Mützenich sogar einmal einen Ehrenpreis. Wen wundert’s? Die Instrumente wurden von Ludwig Halmes, Mathias Langer, Bernhard Litt und Franz-Joseph Schäfer geblasen.

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